Frankenwaldbahn
  Bw Probstzella
 
Bw Probstzella


Die Zeit bis 1945


Ähnlich wie Pressig-Rothenkirchen besaß der thüringische Bahnhof Probstzella von Anfang an Lokbehandlungsanlagen, die jedoch zunächst nur den Status einer Lokeinsatzstelle der Bahnbetriebswerkstätte Saalfeld hatten. Die Preußische Staatsbahn bespannte von Probstzella aus zunächst Züge in Richtung Saalfeld und Steinbach am Wald. Ab 1898 erhöhten sich die Aufgaben der Probstzellaer Loks durch die Eröffnung der Bahnstrecke nach Taubenbach (heute Schmiedefeld b Probstzella), die schließlich 1899 bis Bock-Wallendorf (heute Lichte-Ost) und 1913 bis Neuhaus-Igelshieb und Lauscha erweitert wurde. Auf dieser Strecke kamen hauptsächlich T 13 und T 15 der Bauart Hagans und später T 16 vor Erzzügen zum Einsatz. Der Einsatz dieser Lokomotiven wurde jedoch bis 1914 beendet. Im Jahre 1905 wird Probtzella durch die KED Erfurt noch als Stationsschlosserei mit Lokschuppen geführt, die der Bwst Saalfeld unterstellt war. Den Status des selbständigen Bahnbetriebswerken erlangte Probstzella erst 1923. Parallel hierzu wurden auch erste Dampflokomotiven der BR 95 in Probstzella beheimatet. Später kamen für Rangieraufgaben auch noch einige Loks der BR 94 hinzu. 1923 und 1924 wurde das Bw Probstzella aufgrund seiner gewachsenen Aufgaben durch eine Betriebswerkstatt und eine Lehrwerkstatt erweitert. 1936 folgte der Einbau einer 16,5m Drehscheibe. Aufgrund der Streckenelektrifizierung erhielt das Bw Probstzella im Jahre 1941 auch seine ersten E-Loks der Baureihe E 94 zugeteilt. Bis 1943 wurden durch die Kriegsereignisse alle Loks der Baureihe 94 aus Probstzella abgezogen. Außerdem wurde der 95er Bestand verringert.

Die Zeit nach 1945


Mit Kriegsende im Jahre 1945 waren auch die Kriegsfolgen für Probstzella sichtbar. Die Bahnstrecke Richtung Saalfeld war aufgrund einer gesprengten Brücke nicht befahrbar und auch auf der Bahnstrecke Richtung Lauscha war wegen einer gesprengten Brücke kein Eisenbahnbetrieb möglich. In Richtung Ludwigsstadt war aufgrund der Demarkationslinie bei Falkenstein auch kein Betrieb mehr möglich. Nach den Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten erfolgte zum 31. Janauer 1947 ein sogenannter "technischer Pass" durch die Reichsbahndirektion Erfurt für das Bw Probstzella: Von 21 Lokomotiven des Betriebsparkes waren lediglich noch 10 einsatzfähig. Folgende Dampflokbaureihen waren nach 1945 in Probstzella beheimatet: BR 17 (1945 - 1947 nur buchmäßig), BR 38.10 (1953 - 1965), BR 44 (1969 - 1980), BR 52 (Oktober - Dezember 1945), BR 55 (1945 - 1950), BR 56 (1946 - 1947), BR 57 (1945), BR 58 (1947 - 1971), BR 65 (1956 - 1971), BR 74 (1947 - 1961), BR 78 (1949 - 1956), BR 83.10 (1968 - 1970), BR 86 (1946 - 1947 und 1970), BR 92 (1955 - 1956), BR 93 (1945 - 1970), BR 94 (1947 - 1970), BR 95 (1923 - 1981). Zum Bestand des Bw Probstzella gehörte auch die 97 218, die in den Schieferbrüchen bei Lehesten im Einsatz war. Auch die bayrische Lokalbahnlok 98 1108, sie war nach 1945 bei der DR verblieben, zählte zwischen Oktober 1950 und März 1951 zum Lokbestand des Bw Probstzella. Im Folgenden noch eine kleine Auflistung alle 95er, die je in Probstzella beheimatet waren:

 


95 004 am 09. Juni 1977 mit Güterzug bei Hockeroda. Foto: 
Karl-Friedrich Seitz



95 005 steht am 19. Mai 1968 im Bw Probstzella abgestellt. Foto:
Karl-Friedrich Seitz



95 016 steht am 04. Juli 1971 im Bw Probstzella abgestellt. Foto: 
Karl-Friedrich Seitz



95 019 am 18. Februar 1968 im Bw Probstzella. Foto: Karl-Friedrich
Seitz



95 021 sowie DR Klima-Schneepflug Erfurt 30 50 949 4210-3 stehen
am 14. Juli 1970 im Bw Gelände von Probstzella abgestellt. Foto:
Karl-Friedrich Seitz


Zahlreiche bauliche Veränderungen am Lokschuppen und in den Werkstatt-, Aufenthalts- und Verwaltungsräumen in den Jahren 1981/82 schufen bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäfftigten des Bw Probstzella. Eine weitere "Verschandelung" des Probstzellaer Erscheinungsbildes erfolgte 1982/83, als auf Veranlassung der DDR-Grenztruppen hohe Stacheldrahtzäune zwischen Bw und Bahnsteig 3 errichtet wurden.
Als Nachfolgerin für die Baureihe 95 kamen ab 1980 Dieselloks der DR Baureihe 119 (heute DB Baureihe 219) nach Probstzella. Die Beheimatung begann im Januar 1980 mit den Maschinen 119 013 und 014. Aufgrund der hohen Storanfälligkeit der 119er hatte Probstzella in den 80er Jahren einen unverhältnissmäßig großen Lokomotivbestand dieser Baureihe. Aber auch Dieselloks der Baureihe 118 (heute BR 228) mussten immer wieder in Probstzella aushelfen. Das Bw Probstzella hatte am 01. Dezember 1980 immerhin 17 Lokomotiven der Baureihe 119, darunter auch die Baumusterlokomotiven 119 001 und 002 im Bestand. Erst ab Ende der 80er Jahre hatte die Deutsche Reichsbahn die Maschinen soweit im Griff, dass sie immer zuverlässiger liefen. Dass die DR anfangs eher wenig Freude an ihren aus Rumänien importierten 119ern hatte, belegt der Umstand, dass die beiden Baumusterloks nach nur wenigen Jahren wieder ausgemustert wurden. Das "Ur-U-Boot" 119 001, immer nur kurzzeitig im Einsatz, wurde schon 1985 nach langjähriger Abstellung an Ort und Stelle zerlegt.



Auch das "Ur-U-Boot" 119 001 war von 1980 bis 1985 im Bw
Probstzella beheimatet. Nach langjähriger Abstellung und nur
sporadischen Einsätzen wurde die Lok schon 1985 an Ort und Stelle
zerlegt. Die Aufnahme entstand am 25. Mai 1985 während der
Zerlegung im Bw Probstzella. Foto: Archiv Manfred Uy


Die Zeit nach 1990


Nach 1990 konnte man dann auch wieder die Probstzellaer Loks auf der gesamten Frankenwaldbahn vor Arbeits- und Güterzügen erleben, vor allem wenn es an elektrischen Maschinen mangelte. So waren Einsätze vor Güterzügen bis nach Lichtenfels und teilweise sogar in Doppeltraktion keine Seltenheit. Heute gehört das Bahnbetriebswerk Probstzella der Vergangenheit an. Zum 28. Dezember 1993 erfolgte die Auflösung und Zuordnung zum neuen Betriebshof Saalfeld. Die in Probstzella zu diesem Zeitpunkt beheimateten Maschinen wurden nach Saalfeld (20 Loks der Baureihe 219, 3 Loks der Baureihe 346) und Meiningen (3 Loks der Baureihe 346) umbeheimatet.


119 060-2 steht im Jahre 1990 auf der Drehscheibe des Bw Probstzella.
Foto: Thomas Fischer


Der Wasserturm und ein als Dienstgebäude fungierender ehemaliger 
Reisezugwagen der DR im Bw Probstzella (Juli 1990). Foto: Thomas
Fischer



95 1027-2 (ex 95 027) und 119 039-6 stehen im Sommer 1991 im
Bw Probstzella. 95 1027 war noch bis zum 31.08.1992 als Museumslok
in Probstzella beheimatet und wurde dann nach Arnstadt abgegeben.
Foto: Bernd Mühlstraßer


Mehrere 119er der DR stehen im Oktober 1991 im Bw Probstzella.


Eine DR V 60 rangiert im Oktober 1991 eine Silberling Garnitur im
Bahnhof Probstzella.


Der Zustand heute


Heute erinnert nicht mehr viel an den einstigen großen Eisenbahnbetrieb im Bahnhof Probstzella. Die früheren Anlagen des Bahnbetriebswerkes sind verwaist und dem Verfall preisgegeben. Der Eisenbahnbetrieb auf der Strecke nach Sonneberg über Lauscha wurde 1997 eingestellt. Zuletzt waren hier Saalfelder Maschinen der Baureihe 219 mit Halberstädter Wagen im Einsatz. An die früheren großen Zeiten erinnert wohl heute nur noch eine in Probstzella bereitstehende Schiebelok, die darauf wartet einen Güterzug über die Frankenwaldrampe nachzuschieben.



Zustand des ehemaligen Bw Prosbtzella im Februar 2011.
 
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