Frankenwaldbahn
  Ludwigsstadt - Lehesten
 
Ludwigsstadt - Lehesten

Nachdem im Januar 1882 der Weiterbau der Frankenwaldbahn von Stockheim nach Probstzella über Ludwigsstadt beschlossen wurde, kamen auch Planungen für den Bau einer Stichbahn von Ludwigsstadt nach Lehesten auf. Die Strecke sollte hauptsächlich dazu dienen den abgebauten Schiefer aus den Lehestener Schieferbrüchen per Bahn abzutransportieren. Außerdem sollte ein kleiner Reiseverkehr eingerichtet werden, um Arbeiter aus Ludwigsstadt und Umgebung in die Schieferbrüche zu bringen. Die Planungen erschienen zunächst problematisch, da die Strecke die Grenze zwischen Bayern und Sachsen-Meiningen überschritt. Hierzu war deshalb ein Staatsvertrag nötig, der jedoch nach langen Verhandlungen am 26. Juni 1884 schließlich abgeschlossen wurde. Kurze Zeit später konnten dann auch die Bauarbeiten für die Lehestener Stichbahn starten. Am 20. November 1885 fanden erstmals Probefahrten über die gesamte Strecke statt. Am 01. Dezember 1885 wurde schließlich der planmäßige Verkehr zwischen Ludwigsstadt und Lehesten aufgenommen. Zunächst verkehrten drei tägliche Reisezugpaare auf der Strecke, der Güterverkehr überwog jedoch bei weitem. In den Folgejahren änderte sich der Fahrplan kaum. Erst 1939 wurde der Fahrplan auf vier werktägliche und fünf Zugpaare an Samstagen aufgestockt. Die Fahrzeit betrug damals etwa 25 Minuten.



Während des zweiten Weltkrieges gewann die Lehestener Nebenbahn an trauriger Bedeutung: Im unterirdischen Bereich der Lehestener Oertelsbrüche wurde flüssiger Sauerstoff für den Bau von sogenannten V-Waffen produziert. Hierzu waren auch mehrere Gütertransporte beladen mit Methylalkohol und flüssigem Sauerstoff auf der Strecke unterwegs. Außerdem kam ab September 1943 auch mehrere „Häftlingstransporte“ über die Strecke, da nahe Lehesten ein Konzentrationslager, Deckname „Laura“, errichtet wurde.
Die veränderte politische Lage nach Kriegsende verhinderte vorerst die Wiederaufnahme des Schienenverkehrs auf der Nebenbahn, da Ludwigsstadt und Lehesten in verschiedenen Besatzungszonen lagen und die Strecke bei Km 5,3 die Grenze überschritt. Erst 1947 vereinbarte man, dass die Reichsbahn einen Transitverkehr von Probstzella über Ludwigsstadt nach Lehesten aufnehmen durfte. Am 17. Juni 1947 wurde dann schließlich jener Verkehr aufgenommen. Die Transitzüge zwischen Probstzella und Lehesten waren meist mit einer 55.0 oder 86 bespannt. Die Westzonen-Reichsbahn bzw. die spätere Bundesbahn führte währenddessen einen Anschlussverkehr zwischen Ludwigsstadt und einem Steinbruch nahe Ottendorf durch. Die Deutsche Reichsbahn der DDR stellte jedoch den Transitverkehr am 12. Juli 1951 wieder ein und verlagerte den Abtransport des Lehestener Schiefers zum Bahnhof Lichtentanne an der Strecke Hockeroda – Blankenstein. Bis zum 28. Mai 1952 wurden die Gleisanlagen auf dem Gebiet der DDR abgebaut. Auf westdeutschem Gebiet wurde bis Anfang der sechziger Jahre regelmäßig der schon erwähnte Steinbruch bei Ottendorf bedient. Zum Einsatz kamen meist die Baureihen 98.8-9 und 98.11. Zwischenzeitlich fuhren auch öfters Dienstzüge mit BR 57.10 über die Strecke, um Schlacke aus dem Bw Pressig-Rothenkirchen in ein Schieferloch an der Zweigbahn zu bringen. Der schlechte Streckenzustand bewirkte Mitte der 60er-Jahre den Bau einer Schotterverladeanlage im Bahnhof Ludwigsstadt, so dass ab jenem Zeitpunkt nur noch sehr selten Güterzüge bis zum Schieferbruch kamen.


144 085 zieht am 01. August 1983 einen Schotterzug durch die in
den 60er-Jahren neu errichtete Verladeanlage in Ludwigsstadt.
Mittlerweile wurde dieses imposante Bauwerk jedoch wieder
abgerissen. Foto: Bernd Mühlstraßer


Die offizielle Stilllegung der Strecke fand dann schließlich am 01. März 1971 statt. Anschließend wurden die Gleisanlagen zwischen Km 1,0 und der Grenze Bayern/Thüringen abgetragen. Bis Streckenkilometer 1 diente die Lehestener Nebenbahn weiterhin als Ludwigsstädter Industriestammgleis. Mehrere Unternehmen wurden bis zur Jahrtausendwende fast täglich mit einer V 60 bedient.


260 247-2 schiebt im August 1983 einen Silowagen in das Anschlussgleis
des Wela-Werkes in Ludwigsstadt. Foto: Bernd Mühlstraßer


Im Sommer 2011 wurde dann schließlich das restliche Streckenstück in Ludwigsstadt abgebaut.


Das ehemalige Streckengleis nach Lehesten zweigte kurz nach dem
südlichen Ende des Trogenbachviaduktes von der Frankenwaldbahn
ab. Ein kurzes Reststück der Nebenbahn diente noch bis zur
Jahrtausendwende als Ludwigsstädter Industriestammgleis und wurde
2011 abgebaut (Aufnahme von 2010).
 
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